Landesmusikrat Sachsen-Anhalt

 

Pressestimmen 2007 - 34. Arbeitsphase
Leitung: KMD Prof. Wolfgang Kupke
 

Ein Loblied auf den goldenen Mittelweg

Ein wenig fühlt man sich an das berühmte Urteil des Paris erinnert, wenn man Händels "L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato" lauscht: Drei Charaktere -der Fröhliche, der Tiefsinnige und der Maßvolle -konkurrieren hier um die Gunst des Menschen. Dass der Preis am Ende dem Mittelweg zwischen dem himmelhoch Jauchzenden und dem zu Tode Betrübten zufällt, ist Händels Librettisten John Dryden zuzuschreiben. Doch bis es so weit ist, darf man Arien und Chöre auf Gedichte von John Milton genießen.

Wolfgang Kupke hatte das Werk für Sachsen-Anhalts Landesjugendchor und das Hallesche Consort gewählt, um die Auszeichnung mit dem enviaM-Förderpreis zu feiern - eine kluge, unbedingt lobenswerte Entscheidung. Denn die Allegorie auf die Temperamente, die in der englischen Fassung Mirth, Melancholy und Moderation heißen, hält neben hinreißend lautmalerischen Soli kraft- und prachtvolle Chorpassagen bereit - und ist als Lebensschule auch von intellektuellem wie pädagogischem Reiz.

Unter Kupkes energischer und umsichtiger Leitung geriet die Aufführung zum umjubelten Abschluss des ersten Fest-Wochenendes. Die erfindungsreich gesetzten Solostimmen, die von Gelächtersalven erschüttert oder buchstäblich auf Zehenspitzen geführt, mit Zwitscher-Koloraturen durchwirkt oder mit karikierendem Tonfall gefärbt werden, ließen vor allem den lupenreinen Sopran von Gudrun Sidonie Otto und den kultivierten Tenor von Tobias Hunger strahlen.

Susanne Krumbiegel hatte zwar mit der englischen Artikulation, nicht aber mit ihrer Intonation leichte Probleme. Und Johannes G. Schmidt setzte spätestens mit dem machtvollen "Populous Cities" donnernde Akzente - eine mitreißende, hoch konzentrierte Aufführung, die den Landesjugendchor wie das Hallesche Consort in Bestform, dem Festniveau würdig zeigte.

Mitteldeutsche Zeitung Halle, 05.06.2007
 
 
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