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Ein Loblied auf den goldenen Mittelweg
Ein wenig fühlt man sich an das berühmte Urteil des Paris erinnert, wenn
man Händels "L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato" lauscht: Drei Charaktere
-der Fröhliche, der Tiefsinnige und der Maßvolle -konkurrieren hier um
die Gunst des Menschen. Dass der Preis am Ende dem Mittelweg zwischen
dem himmelhoch Jauchzenden und dem zu Tode Betrübten zufällt, ist Händels
Librettisten John Dryden zuzuschreiben. Doch bis es so weit ist, darf
man Arien und Chöre auf Gedichte von John Milton genießen.
Wolfgang Kupke hatte das Werk für Sachsen-Anhalts Landesjugendchor und
das Hallesche Consort gewählt, um die Auszeichnung mit dem enviaM-Förderpreis
zu feiern - eine kluge, unbedingt lobenswerte Entscheidung. Denn die Allegorie
auf die Temperamente, die in der englischen Fassung Mirth, Melancholy
und Moderation heißen, hält neben hinreißend lautmalerischen Soli kraft-
und prachtvolle Chorpassagen bereit - und ist als Lebensschule auch von
intellektuellem wie pädagogischem Reiz.
Unter Kupkes energischer und umsichtiger Leitung geriet die Aufführung
zum umjubelten Abschluss des ersten Fest-Wochenendes. Die erfindungsreich
gesetzten Solostimmen, die von Gelächtersalven erschüttert oder buchstäblich
auf Zehenspitzen geführt, mit Zwitscher-Koloraturen durchwirkt oder mit
karikierendem Tonfall gefärbt werden, ließen vor allem den lupenreinen
Sopran von Gudrun Sidonie Otto und den kultivierten Tenor von Tobias Hunger
strahlen.
Susanne Krumbiegel hatte zwar mit der englischen Artikulation, nicht
aber mit ihrer Intonation leichte Probleme. Und Johannes G. Schmidt setzte
spätestens mit dem machtvollen "Populous Cities" donnernde Akzente - eine
mitreißende, hoch konzentrierte Aufführung, die den Landesjugendchor wie
das Hallesche Consort in Bestform, dem Festniveau würdig zeigte.
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