Landesmusikrat Sachsen-Anhalt

 

Pressestimmen 2009
 
35. Arbeitsphase
Leitung: Heribert Beissel
 

Ein Abend mit Kraft, Glanz und Gefühl
Landesjugendorchester in der Händel-Halle

Große Programme erfordern große Räume. Keinen geringeren Spielort als die Händelhalle hatte der Landesmusikrat für das jüngste Konzert seines Jugendsinfonieorchesters Sachsen-Anhalt gewählt. Ein Wagnis, gewiss. Doch 700 Zuhörer und die phänomenal hohe Aufführungsqualität bezeugten: Es war die richtige Entscheidung.

Gestern Abend wurde das Konzert, das sich am Montag in Halle - man muss es so sagen - ereignet hatte, in Kassel wiederholt. Die Kooperation mit polnischen Partnern, gemeinsam wollte man die "Dritte" bringen, war letztlich nicht zustande gekommen. Doch eine Mahler-Sinfonie sollte es sein. Also die erste, genannt "Der Titan" und ebenso Publikumsliebling wie das g-Moll-Violinkonzert von Max Bruch - für die Nachwuchsmusiker eine reife Leistung, nicht nur hinsichtlich ihres Durchschnittsalters von 18 Jahren. 75 der diesmal fast 100 Mitwirkenden stammten aus Sachsen-Anhalt, versicherte der Landesmusikrat, und zu zwei Dritteln habe das Orchester aus Schülern bestanden.

Die Zahlen sind wichtig, firmiert das Ensemble doch als Ergänzung zur Ausbildung an den Musikschulen und als Anschlussförderung des Wettbewerbs "Jugend musiziert". Freilich schätzen auch die studentischen Aushilfen aus anderen Bundesländern die Gelegenheit. Denn Arbeitsbedingungen und -ergebnisse wie diese sind sogar an Musikhochschulen rar: Probiert wird zunächst in Registerstudien unter Anleitung gestandener Orchestermusiker, dann mit dem Dirigenten Heribert Beissel, dessen orchestererzieherisches Engagement für den Nachwuchs beispielgebend ist.

Wunderbar, wie die erst 18-jährige Kathy Kang das vom Komponisten als "Allerweltsconcert" bezeichnete Bruch-Konzert spielte. Die Stipendiatin der Deutschen Stiftung Musikleben ließ mehr noch seine lyrischen als die virtuosen Seiten erblühen, agierte mit sinnlichem, aber kitschfreien Ton und meist müheloser Intonation. Nicht ein Mal drängte sich das üppig besetzte Orchester vor den Klang der Solovioline. Das Auditorium saß wie hypnotisiert und durfte sich ob des hellen, offenen Streichertimbres und des vitalen Musiziergestus schon mal auf die Sinfonie freuen.

Sie übertraf alle Erwartungen. So viel Kraft, Glanz und Sensibilität für den Klang, solche Ausdrucksintensität, Detailfreude und agogische Wendigkeit schaffen auch Profiorchester nur in Sternstunden. Die Hörner: fantastisch. Die hohen Streicher: homogen noch im Flageolett. Die Celli: herzergreifend kantabel. Die Holzbläser: grandios. Niemanden dürfte die naturnahe Bildersprache inklusive Rummelplatzanmutung und tändelndem Wiener Walzer bis hin zum Finalsatz mit krachendem Schlagwerk und Gänsehaut-Faktor kaltgelassen haben.

Bravo! Das Publikum feierte die Solistin, die Orchestermusiker und ihren Dirigenten wie Popstars. Einen Blumengruß vom Veranstalter hätten sie wahrlich verdient gehabt.

Mitteldeutsche Zeitung Halle, 12.08.2009

 
 

Ein Kosmos an Musik
Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt beim Kultursommer

Vier Jugendorchester hat der Kultursommer Nordhessen für seine letzte Woche eingeladen - und dies fasziniert, weil dabei ganz unterschiedliche Qualitäten zu erleben sind. Das eine Orchester beeindruckt durch technische Brillanz, das andere durch große Emotionen. Mit viel Herz - bei technisch guter Grundlage - musizierte das Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt beim zweiten Abend in der Kasseler Stadthalle.
Romantik stand auf dem Programm, beginnend mit dem 1. Violinkonzert von Max Bruch. Atmosphärisch, wie die jungen Musiker und der 76-jälirige Dirigent Heribert Beissel den gleitend verebbenden Übergang vom ersten zum zweiten Satz gestalteten. Vor allem aber war das Bruch-Konzert ein Triumph der Violinsolistin Kathy Kang.

Weites Ausdrucksspektrum

Gefühlvoll, doch nie kitschig, vergegenwärtigte die 18-jährige Koreanerin das beliebte Stück, gab dem Klangstrom völlig unaufgesetzt vielfältige Farben und bot dann auch in den Zugaben ein weites Spektrum an Ausdruck. Zuerst mit virtuoser, motorischer Attacke in einer wilden Toccata von Vytautas Barkauskas, dann mit dem Zauber einer sanften Sicilienne eines anonyrnen Komponisten.

In einen Kosmos an Musik wurde man in der zweiten Hälfte des von Stadt Kassel und Städtischen Werken gesponserten Abends hineingezogen. Der ureigene Ton von Gustav Mahler ist bereits in seiner 1. Sinfonie voll ausgeprägt, die schmerzliche Gleichzeitigkeit von Leid und Freud, von Niederem und Hohem. von Groteske und Transzendenz.

Dirigent und Orchester überrnittelten viel von diesem Reichtum. Ganz alte Schule war es, wie Beissel im umtobten Finalsatz die lyrische Enklave auskostete. Ein weiter, blühender, sich steigender Melodiebogen. Molto espressivo. Die 500 Zuhörer spendeten begeisterten Schlussbeifall.

Begonnen hatte der Abend literarisch. Vor jedem Konzert der Sommer-Sinfonie stimmen Prominente im Gesellschaftssaal mit Lesungen auf die Gäste ein. Hier las Geo-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede aus einem Erzählband des in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) geborenen Schriftstellers Clemens Meyer.

Hessische Allgemeine Zeitung Kassel, 13.08.2009
 
 
 
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