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Ein Abend mit Kraft, Glanz und Gefühl
Landesjugendorchester in der Händel-Halle
Große Programme erfordern große Räume. Keinen geringeren Spielort als
die Händelhalle hatte der Landesmusikrat für das jüngste Konzert seines
Jugendsinfonieorchesters Sachsen-Anhalt gewählt. Ein Wagnis, gewiss. Doch
700 Zuhörer und die phänomenal hohe Aufführungsqualität bezeugten: Es
war die richtige Entscheidung.
Gestern Abend wurde das Konzert, das sich am Montag in Halle - man muss
es so sagen - ereignet hatte, in Kassel wiederholt. Die Kooperation mit
polnischen Partnern, gemeinsam wollte man die "Dritte" bringen, war letztlich
nicht zustande gekommen. Doch eine Mahler-Sinfonie sollte es sein. Also
die erste, genannt "Der Titan" und ebenso Publikumsliebling wie das g-Moll-Violinkonzert
von Max Bruch - für die Nachwuchsmusiker eine reife Leistung, nicht nur
hinsichtlich ihres Durchschnittsalters von 18 Jahren. 75 der diesmal fast
100 Mitwirkenden stammten aus Sachsen-Anhalt, versicherte der Landesmusikrat,
und zu zwei Dritteln habe das Orchester aus Schülern bestanden.
Die Zahlen sind wichtig, firmiert das Ensemble doch als Ergänzung zur
Ausbildung an den Musikschulen und als Anschlussförderung des Wettbewerbs
"Jugend musiziert". Freilich schätzen auch die studentischen Aushilfen
aus anderen Bundesländern die Gelegenheit. Denn Arbeitsbedingungen und
-ergebnisse wie diese sind sogar an Musikhochschulen rar: Probiert wird
zunächst in Registerstudien unter Anleitung gestandener Orchestermusiker,
dann mit dem Dirigenten Heribert Beissel, dessen orchestererzieherisches
Engagement für den Nachwuchs beispielgebend ist.
Wunderbar, wie die erst 18-jährige Kathy Kang das vom Komponisten als
"Allerweltsconcert" bezeichnete Bruch-Konzert spielte. Die Stipendiatin
der Deutschen Stiftung Musikleben ließ mehr noch seine lyrischen als die
virtuosen Seiten erblühen, agierte mit sinnlichem, aber kitschfreien Ton
und meist müheloser Intonation. Nicht ein Mal drängte sich das üppig besetzte
Orchester vor den Klang der Solovioline. Das Auditorium saß wie hypnotisiert
und durfte sich ob des hellen, offenen Streichertimbres und des vitalen
Musiziergestus schon mal auf die Sinfonie freuen.
Sie übertraf alle Erwartungen. So viel Kraft, Glanz und Sensibilität
für den Klang, solche Ausdrucksintensität, Detailfreude und agogische
Wendigkeit schaffen auch Profiorchester nur in Sternstunden. Die Hörner:
fantastisch. Die hohen Streicher: homogen noch im Flageolett. Die Celli:
herzergreifend kantabel. Die Holzbläser: grandios. Niemanden dürfte die
naturnahe Bildersprache inklusive Rummelplatzanmutung und tändelndem Wiener
Walzer bis hin zum Finalsatz mit krachendem Schlagwerk und Gänsehaut-Faktor
kaltgelassen haben.
Bravo! Das Publikum feierte die Solistin, die Orchestermusiker und ihren
Dirigenten wie Popstars. Einen Blumengruß vom Veranstalter hätten sie
wahrlich verdient gehabt.
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