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Nachwuchskünstler setzen Maßstäbe
Von tiefer Trauer zum Frohsinn
Grandios war die Vorstellung des Jugendsinfonieorchesters Sachsen-Anhalt,
doch beschämend die Resonanz beim Konzert des Kultursommers Nordhessen
in der Korbacher Stadthalle. Mehr Musiker auf der Bühne als Besucher ließen
keine rechte Konzertstimmung aufkommen. Dabei hätte das Konzert als eines
von acht unter dem Titel "Sommer-Sinfonie" mehr Beachtung verdient.
Unter ihrem Dirigenten Heribert Beissel wählte das Jungendsinfonieorchester
einen leisen, fast verhaltenen Einstieg mit Samuel Barbers "Adagio for
strings op. 11", das als eines der traurigsten klassischen Stücke gilt.
Es wurde beispielsweise im Gedenken an die Opfer des 11. September von
zahlreichen Radiostationen gespielt. Ebenso ruhig begann mit "Tod und
Verklärung" von Richard Strauss das zweite Stück, doch mit der Ruhe in
Moll war es mit einem Kesselpaukenschlag vorbei, als der Hauptteil des
1888 komponierten Stückes einsetzte. Nun entfaltet das Orchester, das
nun auch um Blech- und Holzblasinstrumente sowie Schlagwerk ergänzt wurde,
seine ganze Kraft.
Den Schlusspunkt setzte das Orchester, das 1993 als Plattform für junge
Talente aus Sachsen-Anhalt gegründet wurde, mit der Sinfonie Nr. 2 D-Dur
op. 73 von Johannes Brahms. "Schnell, aber nicht rasend, ein wenig langsam,
dann wieder munterer, aber mit Grazie bis munter, aber mit Geist" - das
waren die Vorgaben für die vier Sätze, die Frohsinn und Freude zum Ausdruck
bringen soll.
Diese Freude sprang auch auf das Publikum über, das seine Begeisterung
über die Professionalität des Orchesters in seinem langanhaltenden Applaus
äußerte.
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Ein tapferes Kind besiegt den Teufel
Volles Haus, super Stimmung, der Erfolg der Darsteller schließt den des
Projekts ein: Dieser "Impuls" hat sich für die Zukunft selbst unentbehrlich
gemacht. Denn mit "Olek schoss einen Bären" traf die Sparte "Backstage"
des Festivals für neue Musik ins Schwarze - und obendrein den Ton, der
den Nachwuchs begeistert. Zu besichtigen waren die Salven am Mittwoch
im Volkspark Halle, clever integriert in die K-Reihe der Staatskapelle.
Monatelang hatten sich Kinder und Jugendliche an mehreren Schulen des
Landes mit dem musikalischen Märchen von Bart Moeyaert und Wim Henderickx
befasst, das von Festspielintendant Hans Rotman im Vorjahr erstaufgeführt
worden war.
Wie interessiert man junge Leute für neue Musik? Man gebe ihnen ein Stück!
Ein gutes muss es sein, eines wie diese wunderbare Parabel vom Abenteuer
des Erwachsenwerdens, eines, das Text und Musik so kongenial verstrickt
wie Prokofjews "Peter und der Wolf" oder "Das Tierhäuschen" von Samuel
Marschak und Joachim Thurm. Der Schauspieler Dominique Horwitz -er lieferte
seine eigene Version am Sonntag - betreute die szenischen Realisierungen.
Einzeln waren sie bereits am Gymnasium Querfurt, am Herder-Gymnasium Halle
und in der Landesschule Pforta zu erleben. Beim "Backstage"-Finale wurde
das mustergültige Exempel für musikpädagogische Jugendarbeit nun insgesamt
offensichtlich. In unterhaltsamen drei mal dreißig Minuten, in ebenso
verschiedenen wie eigenständigen theatralischen Deutungen.
Gültig waren sie alle gleichermaßen. Moralisch, ohne zu moralisieren.
Anrührend in der Selbstverständlichkeit der Darbietung. Olek schoss also
einen Bären, nähte eine Mütze, band einen Schnürsenkel, rettete ein Kaninchen,
stopfte einen Eimer, folgte dann dem Vogel und befreite die Kinder aus
der Gewalt des Teufels. Ironie und Komik bestimmten den Erzählstil der
Querfurter. Sie schickten einen rustikalen Helden auf die Bühne, ließen
ihn ein fettes Kuscheltier aus der Falle ziehen und - zur großen Erheiterung
im Saal - wohlig knurren, als er endlich die Schöne umarmte. Die Landesschüler
deuteten das Märchen als stringentes Gesamtkunstwerk, getragen von der
Erkenntnis, dass man nicht alles zeigen muss, damit es sichtbar wird.
Sie nutzten die knappen Kinderbuch-Illustrationen von Wolf Erlbruch, erst
im zweiten Teil wurden aus Sprechern Darsteller. Die Hallenser trugen
das komplette Stück in flüssigem Englisch vor, vertrauten der Poesie choreografierter
Bilder und kaprizierten ihren kindlichen Olek auf sein "I do, what I can".
Dazu Wim Henderickx´ Vertonung: rhythmisch raffiniert, fasslich, farbig,
dramatisch. Wie Profis gingen sieben Instrumentalisten vom Jugendsinfonieorchester
des Landes zu Werke. Zwei Streicher, Holz- und Blechbläser,
ein Schlagzeuger musizierten unter der patenten Leitung von Phillip Barczewski
auf Teufel komm raus. Es klappte: Alle Inszenierungen kulminierten
in der Hölle. Dreimal kam der Teufel als Vamp, jeweils gespielt von einem
großen Mädchen mit starker Persönlichkeit. Sollte das zu denken geben?
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