Landesmusikrat Sachsen-Anhalt

 

Pressestimmen 2008
33. Arbeitsphase
Leitung: Heribert Beissel

Nachwuchskünstler setzen Maßstäbe
Von tiefer Trauer zum Frohsinn

Grandios war die Vorstellung des Jugendsinfonieorchesters Sachsen-Anhalt, doch beschämend die Resonanz beim Konzert des Kultursommers Nordhessen in der Korbacher Stadthalle. Mehr Musiker auf der Bühne als Besucher ließen keine rechte Konzertstimmung aufkommen. Dabei hätte das Konzert als eines von acht unter dem Titel "Sommer-Sinfonie" mehr Beachtung verdient.

Unter ihrem Dirigenten Heribert Beissel wählte das Jungendsinfonieorchester einen leisen, fast verhaltenen Einstieg mit Samuel Barbers "Adagio for strings op. 11", das als eines der traurigsten klassischen Stücke gilt. Es wurde beispielsweise im Gedenken an die Opfer des 11. September von zahlreichen Radiostationen gespielt. Ebenso ruhig begann mit "Tod und Verklärung" von Richard Strauss das zweite Stück, doch mit der Ruhe in Moll war es mit einem Kesselpaukenschlag vorbei, als der Hauptteil des 1888 komponierten Stückes einsetzte. Nun entfaltet das Orchester, das nun auch um Blech- und Holzblasinstrumente sowie Schlagwerk ergänzt wurde, seine ganze Kraft.

Den Schlusspunkt setzte das Orchester, das 1993 als Plattform für junge Talente aus Sachsen-Anhalt gegründet wurde, mit der Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73 von Johannes Brahms. "Schnell, aber nicht rasend, ein wenig langsam, dann wieder munterer, aber mit Grazie bis munter, aber mit Geist" - das waren die Vorgaben für die vier Sätze, die Frohsinn und Freude zum Ausdruck bringen soll.

Diese Freude sprang auch auf das Publikum über, das seine Begeisterung über die Professionalität des Orchesters in seinem langanhaltenden Applaus äußerte.

Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, 25. August 2008

 
Ensemble "Backstage"
 

Ein tapferes Kind besiegt den Teufel

Volles Haus, super Stimmung, der Erfolg der Darsteller schließt den des Projekts ein: Dieser "Impuls" hat sich für die Zukunft selbst unentbehrlich gemacht. Denn mit "Olek schoss einen Bären" traf die Sparte "Backstage" des Festivals für neue Musik ins Schwarze - und obendrein den Ton, der den Nachwuchs begeistert. Zu besichtigen waren die Salven am Mittwoch im Volkspark Halle, clever integriert in die K-Reihe der Staatskapelle. Monatelang hatten sich Kinder und Jugendliche an mehreren Schulen des Landes mit dem musikalischen Märchen von Bart Moeyaert und Wim Henderickx befasst, das von Festspielintendant Hans Rotman im Vorjahr erstaufgeführt worden war.
Wie interessiert man junge Leute für neue Musik? Man gebe ihnen ein Stück! Ein gutes muss es sein, eines wie diese wunderbare Parabel vom Abenteuer des Erwachsenwerdens, eines, das Text und Musik so kongenial verstrickt wie Prokofjews "Peter und der Wolf" oder "Das Tierhäuschen" von Samuel Marschak und Joachim Thurm. Der Schauspieler Dominique Horwitz -er lieferte seine eigene Version am Sonntag - betreute die szenischen Realisierungen. Einzeln waren sie bereits am Gymnasium Querfurt, am Herder-Gymnasium Halle und in der Landesschule Pforta zu erleben. Beim "Backstage"-Finale wurde das mustergültige Exempel für musikpädagogische Jugendarbeit nun insgesamt offensichtlich. In unterhaltsamen drei mal dreißig Minuten, in ebenso verschiedenen wie eigenständigen theatralischen Deutungen.
Gültig waren sie alle gleichermaßen. Moralisch, ohne zu moralisieren. Anrührend in der Selbstverständlichkeit der Darbietung. Olek schoss also einen Bären, nähte eine Mütze, band einen Schnürsenkel, rettete ein Kaninchen, stopfte einen Eimer, folgte dann dem Vogel und befreite die Kinder aus der Gewalt des Teufels. Ironie und Komik bestimmten den Erzählstil der Querfurter. Sie schickten einen rustikalen Helden auf die Bühne, ließen ihn ein fettes Kuscheltier aus der Falle ziehen und - zur großen Erheiterung im Saal - wohlig knurren, als er endlich die Schöne umarmte. Die Landesschüler deuteten das Märchen als stringentes Gesamtkunstwerk, getragen von der Erkenntnis, dass man nicht alles zeigen muss, damit es sichtbar wird. Sie nutzten die knappen Kinderbuch-Illustrationen von Wolf Erlbruch, erst im zweiten Teil wurden aus Sprechern Darsteller. Die Hallenser trugen das komplette Stück in flüssigem Englisch vor, vertrauten der Poesie choreografierter Bilder und kaprizierten ihren kindlichen Olek auf sein "I do, what I can".
Dazu Wim Henderickx´ Vertonung: rhythmisch raffiniert, fasslich, farbig, dramatisch. Wie Profis gingen sieben Instrumentalisten vom Jugendsinfonieorchester des Landes zu Werke. Zwei Streicher, Holz- und Blechbläser, ein Schlagzeuger musizierten unter der patenten Leitung von Phillip Barczewski auf Teufel komm raus. Es klappte: Alle Inszenierungen kulminierten in der Hölle. Dreimal kam der Teufel als Vamp, jeweils gespielt von einem großen Mädchen mit starker Persönlichkeit. Sollte das zu denken geben?

Mitteldeutsche Zeitung Halle, 24. Oktober 2008
 
 
 
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