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Nachwuchskünstler setzen Maßstäbe
Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt präsentiert ausgezeichnete Operngala
in einer halb leeren Theaterwelt
Fast auf den Tag zwei Jahre nach ihrem ersten Konzert in der Lutherstadt
gastierte am Montag das Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt erneut
in der Phönix Theaterwelt Wittenberg. Seine Operngala wurde zum Erlebnis,
auch wenn sie im Vorfeld mit Schwierigkeiten verbunden war: Beide Solistinnen
sagten zwei Tage vor der Premiere am Sonntag in Halle ab und mussten kurzfristig
ersetzt werden. Ungewöhnlich ist auch, wenn sich der Dirigent während
des Konzertes seinen Frust über die mangelnde Resonanz von der Seele redet.
Es rumorte in ihm - verständlicherweise. Denn in der Tat hatten sich lediglich
rund neunzig Zuhörer im Saal eingefunden. Kommunalpolitiker oder andere
Phönix-Förderer entdeckte man nicht.
Seit 1992 betreut der Landesmusikrat Sachsen-Anhalt im Auftrag des Kultusministeriums
das Jugendsinfonieorchester (JSO), das vom Chefdirigenten der Klassischen
Philharmonie Bonn, Herribert Beissel, künstlerisch geleitet wird. Das
JSO ist eine Form der Anschlussförderung des Wettbewerbes "Jugend musiziert"
und damit ein wichtiges Instrument der musikalischen Begabtenförderung.
Geprobt wird zwei Mal jährlich. Dazu treffen sich die Orchestermitglieder
für zehn Tage, in der Regel am Ende der Winter- bzw. Sommerferien. Diese
Treffen sind Pflichtveranstaltungen für die 13- bis 23-jährigen Orchestermusiker.
"Wir spielen mit der gleichen Energie wie professionelle Orchester", hieß
es. Doch würden Institutionen wie das JSO oft eher unbeachtet bleiben.
Eine Martha Agerich oder eine Anna Netrebko füllten spielend die Konzertsäle,
auch wenn die Eintrittskarte 400 Euro kostet. Beissel beklagte den Snobismus
mancher Konzertbesucher und meinte: "Das habe ich mir von der Seele quatschen
müssen." Das Konzert hatte es dann in sich. Es setzte Maßstäbe. Eine Operngala
kann ein gesellschaftliches Ereignis sein. Je höher dabei der Prominenten-Status
der Beteiligten auf der Bühne ist, desto schneller sind in der Regel die
begehrten Plätze im Saal vergeben. Nicht hier im Phönix.
Dennoch - sowohl die maskulinen als auch die femininen Partien waren
hervorragend besetzt, die bekannten Stars vermisste man überhaupt nicht.
Mit Charme und Musikalität überzeugten die Sopranistin Cordula Berner
aus Düsseldorf und die Mezzosopranistin Olivia Saragosa aus Halle - mit
Brillanz in der Stimme und variablem Timbre, die das Publikum entzückten.
Der südkoreanische Tenor Daniel Kim, er versprach das Feuer der musikalischen
Leidenschaft, und sein Kompagnon, der Bariton Rainer Scheerer, komplettierten
das Quartett mit dem Flair einer erfahrenen Noblesse. Besonders Scheerer
besitzt ungeheure Tragfähigkeit, deutlich und wohl artikuliert. Die Arie
des Wolfram aus Tannhäuser leuchtete in all ihren Farben.
Das Programm insgesamt stimmte. Ein Highlight jagte das nächste. Jeder
Künstler bekam die Gelegenheit, als Solist zu glänzen. Die Höhepunkte
waren neben Ouvertüren von Mozart und Verdi die Arien, Duette und ein
Quartett etwa aus "Don Giovanni", der "Zauberflöte", Donizettis "Der Liebestrank"
oder Puccinis "Madame Butterfly". Da war dann kein Halten mehr, das Publikum
feierte seine Stars, zuletzt mit stehenden Ovationen, und man wollte sie
kaum von der Bühne lassen, als zum Abschluss des Abends das Quartett aus
dem dritten Akt aus Verdis "Rigoletto" erklang.
Das Jugendsinfonieorchester wirkte wie aus einem Guss, zum Beispiel in
dem Aida-Vorspiel. Es war ein Blinken und Glänzen in diesem Orchesterklang,
ein Vibrieren und eine Farbigkeit, die ihresgleichen sucht. Wenn man die
trockene Akustik in der Theaterwelt bedenkt, in der jeder Patzer, jeder
Fehler zu hören ist, bleibt einem nur, diesen jungen Musikern Respekt
zu zollen, deren makellose Musikalität, technische Ausgewogenheit und
Begeisterung für die klassische Musik unter ihrem väterlich wirkenden
Dirigenten Heribert Beissel ein Beispiel gelungener Jugendarbeit darstellt.
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