Landesmusikrat Sachsen-Anhalt

 

Pressestimmen 2007 - 31. Arbeitsphase
Leitung: Heribert Beissel
 

Durch Europa auf Klänge-Expedition
Jugendsinfonieorchester mit Sommerprogramm

"Kein schöner Land" heißt das diesjährige Sommerprogramm der 13- bis 23-Jährigen, ebenso gut könnte es "Kein schöner Jugendsinfonieorchester" heißen. Ein kraftvoller, unternehmungslustiger Orchesterklang, die solistischen Höhenflüge bestens disponierter Bläser, viel Bogen und viel Vibrato in den erstaunlich homogenen Streichern, aufgeweckte Schlagwerker, die im Großeinsatz ihres Instrumentariums die Luft klirren lassen: all diese schönen Attribute und nicht zuletzt die eigene Freude darüber zeichnen das beim Landesmusikrat Sachse-Anhalt beheimatete Ensemble aus - insgesamt weit mehr, als von einer temporären Musikvereinigung dieses Altersschnitts erwartet werden darf. Unüberhörbar, hier waren Profis am Werk. Denn um die Einstudierung kümmern sich Tutoren aus einigen der besten Klangkörper Mitteldeutschlands: Solisten der Staatskapelle Halle, der Anhaltischen Philharmonie Dessau, des Gewandhauses Leipzig und der Jenaer Philharmonie.

Auffallend viele Musikerinnen - auch in den stimmführenden Positionen - sitzen im Jugendsinfonieorchester, viel mehr als in den Berufsorchestern. Der Solocellistin bei ihrem gelösten, beweglichen Spiel zuzusehen, war reines Vergnügen. Manches Profi-Ensemble wäre glücklich, eine so engagiert musizierende Cellogruppe zu besitzen. Und alle, wirklich alle jungen Musiker saßen vor Begeisterung auf der Stuhlkante, als sie im Anhaltischen Theater Dessau am Sonntagabend ihr ehrgeiziges Programm vortrugen wie Tags zuvor beim Quedlinburger Musiksommer. Das letzte Konzert der Tournee am Montag, 17. September, wird in der Halleschen Händelhalle vom Mitteldeutschen Rundfunk aufgezeichnet.

"Ein musikalischer Bummel durch Europa - berühmte Werke großer Musiknationen" erwies sich unter Leitung von Heribert Beissel als ausgewachsene Expedition. Erst ging es nach "Finlandia", dann mit Delius nach England und mit Smetana in "Böhmens Hain und Flur" in Frankreich war bei Bizets zweiter "L' Arésienne-Suite" angenehme Einkehr. Ein wenig aufgeregt spielte man die "Meistersinger von Nürnberg" vor, auch der Italien-, der Spanien- und der Russland-Abstecher hatten Schmiss ohne Grenzen. Und endlich, ach, schraubte ein strahlender "Kaiserwalzer" durch Wien!

In der Regel drei Jahre, so steht es im Programm des Orchesters, gehören die Jugendlichen dem Ensemble an. In dieser Zeit absolvieren sie mindestens sechs Arbeitsphasen und lernen, so heißt es weiter, "die wichtigsten stilstischen Kategorien der Standard-Orchesterliteratur" kennen und spielen. Diesmal studierten sie vor allem eines: die romatische Rhapsodik, wie sie in solch komprimierter Form prima auf eine sommerliche Open-Air-Bühne gepasst hätte, im Konzertsaal jedoch rasch überlastig wirkt. Auch die Spieldauer von über zweieinhalb Stunden - als Verlegenheitszugabe wurde der Schluss des "Kaiserwalzers" wiederholt - steht hier nicht für Qualität. Sie ist, mehr noch an der Programmkonzeption als am Alter der Spieler gemessen, schlicht zu lang.

Dass sie bis zum Ende mit unverminderter Aufmerksamkeit und Konzentration bei der Sache blieben, spricht umso stärker für die Nachwuchsmusiker. Im mäßig gefüllten Dessauer Theater stand das Publikum zum hochverdienten Beifall auf und jubelte.

Mitteldeutsche Zeitung Dessau, 4. September 2007

 

Landesjugendsinfonieorchester setzt Maßstäbe fürs Musikfest
Faszinierendes Auftakt-Konzert in Halle nach intensiver Vorbereitung

Mit einem glanzvollen Konzert eröffnete am Montag das Jugend-sinfonieorchester Sachsen-Anhalt das Jugendmusikfest unseres Landes. Das Publikum faszinierte sicher nicht nur die Vielseitigkeit des Programms, sondern vor allem die künstlerische Qualität und freudige Mitarbeit aller Mitwirkenden.

Reiche Früchte trug die Zusammenarbeit von jungen leistungsbereiten und tatendurstigen Musikern mit dem erfahrenen Dirigenten und Orchestererzieher Heribert Beissel. Selten hörte man ein Orchester, das mit solcher Hingabe und stets gespannter Aufmerksamkeit dem instruktiven Gestus des Dirigenten folgend und offensichtlich auch im Einzelnen wie im Ganzen intensiv vorbereitet musizierte. Die Geschlossenheit der Streicher mit selbstbewusst-festem und präzisem Strich, die Klangschönheit und Variabilität der Holzbläser und Hörner sowie die Strahlkraft der Trompeten und Posaunen waren die Säulen, auf denen das Klangerlebnis des Abends ruhte.

Bei aller Ausgewogenheit der dynamischen Entwicklung ging die Begeisterung mit den Blechbläsern und Schlagzeugern hinsichtlich der Lautstärke manchmal durch. Doch wusste Beissel sie im zweiten Teil des Konzerts im Interesse des Gesamtklangs etwas zu zähmen.

Das vielleicht ein bisschen zu ausgedehnte Programm bestand aus Werken der zweiten Hälfte des 19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit der nationalen Besinnung vieler Völker entstand in Verbindung zum Volkslied, Volkstanz und anderen Traditionen eine riesige Palette des musikalischen Ausdrucks, die das Orchester mit erstaunlicher Flexibilität meisterte: Gewaltige Kontraste in Jean Sibelius' "Finlandia", volkstümlicher Frohsinn in Bedrich Smetanas "Aus Böhmens Hain und Flur", das stark von französischem Impressionismus geprägte "Summernight on the river" von Jean Delius, die musikalische Bildhaftigkeit der "L'Arsienne-Suite" von Georges Bizet und Alfredo Casellas "Italia-Rhapsodie".

Hervorragende Soli waren zu hören, so in der "L'Arsienne-Suite" (Flöte und Harfe) und den zu Herzen gehenden Hornklängen bei Smetana. Erfreuliches Fazit dieses Abends: Das Konzert war eine maßstabsetzende Bestätigung des so oft zitierten "Musiklands" Sachsen-Anhalt.

Mitteldeutsche Zeitung Saale-Kurier, 19. September 2007

 
 
 
 
 
 
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