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Durch Europa auf Klänge-Expedition
Jugendsinfonieorchester mit Sommerprogramm
"Kein schöner Land" heißt das diesjährige Sommerprogramm der 13- bis
23-Jährigen, ebenso gut könnte es "Kein schöner Jugendsinfonieorchester"
heißen. Ein kraftvoller, unternehmungslustiger Orchesterklang, die solistischen
Höhenflüge bestens disponierter Bläser, viel Bogen und viel Vibrato in
den erstaunlich homogenen Streichern, aufgeweckte Schlagwerker, die im
Großeinsatz ihres Instrumentariums die Luft klirren lassen: all diese
schönen Attribute und nicht zuletzt die eigene Freude darüber zeichnen
das beim Landesmusikrat Sachse-Anhalt beheimatete Ensemble aus - insgesamt
weit mehr, als von einer temporären Musikvereinigung dieses Altersschnitts
erwartet werden darf. Unüberhörbar, hier waren Profis am Werk. Denn um
die Einstudierung kümmern sich Tutoren aus einigen der besten Klangkörper
Mitteldeutschlands: Solisten der Staatskapelle Halle, der Anhaltischen
Philharmonie Dessau, des Gewandhauses Leipzig und der Jenaer Philharmonie.
Auffallend viele Musikerinnen - auch in den stimmführenden Positionen
- sitzen im Jugendsinfonieorchester, viel mehr als in den Berufsorchestern.
Der Solocellistin bei ihrem gelösten, beweglichen Spiel zuzusehen, war
reines Vergnügen. Manches Profi-Ensemble wäre glücklich, eine so engagiert
musizierende Cellogruppe zu besitzen. Und alle, wirklich alle jungen Musiker
saßen vor Begeisterung auf der Stuhlkante, als sie im Anhaltischen Theater
Dessau am Sonntagabend ihr ehrgeiziges Programm vortrugen wie Tags zuvor
beim Quedlinburger Musiksommer. Das letzte Konzert der Tournee am Montag,
17. September, wird in der Halleschen Händelhalle vom Mitteldeutschen
Rundfunk aufgezeichnet.
"Ein musikalischer Bummel durch Europa - berühmte Werke großer Musiknationen"
erwies sich unter Leitung von Heribert Beissel als ausgewachsene Expedition.
Erst ging es nach "Finlandia", dann mit Delius nach England und mit Smetana
in "Böhmens Hain und Flur" in Frankreich war bei Bizets zweiter "L' Arésienne-Suite"
angenehme Einkehr. Ein wenig aufgeregt spielte man die "Meistersinger
von Nürnberg" vor, auch der Italien-, der Spanien- und der Russland-Abstecher
hatten Schmiss ohne Grenzen. Und endlich, ach, schraubte ein strahlender
"Kaiserwalzer" durch Wien!
In der Regel drei Jahre, so steht es im Programm des Orchesters, gehören
die Jugendlichen dem Ensemble an. In dieser Zeit absolvieren sie mindestens
sechs Arbeitsphasen und lernen, so heißt es weiter, "die wichtigsten stilstischen
Kategorien der Standard-Orchesterliteratur" kennen und spielen. Diesmal
studierten sie vor allem eines: die romatische Rhapsodik, wie sie in solch
komprimierter Form prima auf eine sommerliche Open-Air-Bühne gepasst hätte,
im Konzertsaal jedoch rasch überlastig wirkt. Auch die Spieldauer von
über zweieinhalb Stunden - als Verlegenheitszugabe wurde der Schluss des
"Kaiserwalzers" wiederholt - steht hier nicht für Qualität. Sie ist, mehr
noch an der Programmkonzeption als am Alter der Spieler gemessen, schlicht
zu lang.
Dass sie bis zum Ende mit unverminderter Aufmerksamkeit und Konzentration
bei der Sache blieben, spricht umso stärker für die Nachwuchsmusiker.
Im mäßig gefüllten Dessauer Theater stand das Publikum zum hochverdienten
Beifall auf und jubelte.
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Landesjugendsinfonieorchester setzt Maßstäbe fürs Musikfest
Faszinierendes Auftakt-Konzert in Halle nach intensiver Vorbereitung
Mit einem glanzvollen Konzert eröffnete am Montag das Jugend-sinfonieorchester
Sachsen-Anhalt das Jugendmusikfest unseres Landes. Das Publikum faszinierte
sicher nicht nur die Vielseitigkeit des Programms, sondern vor allem die
künstlerische Qualität und freudige Mitarbeit aller Mitwirkenden.
Reiche Früchte trug die Zusammenarbeit von jungen leistungsbereiten und
tatendurstigen Musikern mit dem erfahrenen Dirigenten und Orchestererzieher
Heribert Beissel. Selten hörte man ein Orchester, das mit solcher Hingabe
und stets gespannter Aufmerksamkeit dem instruktiven Gestus des Dirigenten
folgend und offensichtlich auch im Einzelnen wie im Ganzen intensiv vorbereitet
musizierte. Die Geschlossenheit der Streicher mit selbstbewusst-festem
und präzisem Strich, die Klangschönheit und Variabilität der Holzbläser
und Hörner sowie die Strahlkraft der Trompeten und Posaunen waren die
Säulen, auf denen das Klangerlebnis des Abends ruhte.
Bei aller Ausgewogenheit der dynamischen Entwicklung ging die Begeisterung
mit den Blechbläsern und Schlagzeugern hinsichtlich der Lautstärke manchmal
durch. Doch wusste Beissel sie im zweiten Teil des Konzerts im Interesse
des Gesamtklangs etwas zu zähmen.
Das vielleicht ein bisschen zu ausgedehnte Programm bestand aus Werken
der zweiten Hälfte des 19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser
Zeit der nationalen Besinnung vieler Völker entstand in Verbindung zum
Volkslied, Volkstanz und anderen Traditionen eine riesige Palette des
musikalischen Ausdrucks, die das Orchester mit erstaunlicher Flexibilität
meisterte: Gewaltige Kontraste in Jean Sibelius' "Finlandia", volkstümlicher
Frohsinn in Bedrich Smetanas "Aus Böhmens Hain und Flur", das stark von
französischem Impressionismus geprägte "Summernight on the river" von
Jean Delius, die musikalische Bildhaftigkeit der "L'Arsienne-Suite" von
Georges Bizet und Alfredo Casellas "Italia-Rhapsodie".
Hervorragende Soli waren zu hören, so in der "L'Arsienne-Suite" (Flöte
und Harfe) und den zu Herzen gehenden Hornklängen bei Smetana. Erfreuliches
Fazit dieses Abends: Das Konzert war eine maßstabsetzende Bestätigung
des so oft zitierten "Musiklands" Sachsen-Anhalt.
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