Landesmusikrat Sachsen-Anhalt

 

Pressestimmen 2007 - 30. Arbeitsphase
Leitung: Heribert Beissel, Gerrit Prießnitz
 

Mit Schwung und Frische
Jugendsinfonie-Orchester Sachsen-Anhalt gastiert in der Osteroder Stadthalle

Das Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt gastierte am frühen Sonntagabend in der gut gefüllten, wenn auch nicht ausverkauften Stadthalle mit Prokofjews 1. Violinkonzert D-Dur und der 4. Sinfonie von Gustav Mahler. Neben Liebhabern des großen Orchesterklangs waren auch zahlreiche Schüler der Kreismusikschule mit ihren Eltern erschienen, um sich einmal zeigen zu lassen, was aus einem kleinen Musiker Großes werden kann.
Elias Schödel, der mit seinen knapp 24 Jahren schon eine erstaunliche Solo- und Konzertmeisterkarriere hinter sich hat, erwies sich als kongenialer Interpret bei seinem Vortrag zum 1. Violinkonzert des ewig zwischen seinem Heimatland Russland und den westlichen Kulturmetropolen hin- und hergerissenen Sergej Prokofjew. Wie er mit sparsamem Ausdruck bei präziser Linienführung das klangliche Raffinessement dieses wegen seines "Mangels an geigerischer Schreibweise" von einigen Kritikern abgelehnten Werkes zur Geltung brachte, war die begeistert zustimmenden Pfiffe, die sich in den Applaus mischten, allemal wert.

Uraufführung in Paris

Hatte doch Prokofjew selbst bei der Uraufführung in Paris den Werkkritikern selbst sarkastisch entgegnet: "Den Gentlemen, denen das Violinkonzert zu wenig konzertmäßig ist, gebe ich zur Kenntnis, dass in Paris weniger das Konzert selbst als sein Solist gefiel..." In Osterode, über 100 Jahre nach der Uraufführung, gefielen jetzt Solist und Werk gleichermaßen.


Mit der 4. Sinfonie in G-Dur von Gustav Mahler entfaltete das aus über 80 jungen Künstlern bestehende Jugendsinfonieorchester - eine große Kulturleistung in sich durch seinen Gründer und unermüdlichen Förderer, Heribert Beissel - seine ganze musikalische Ausdruckskraft und Vielfältigkeit. Der junge Gastdirigent in Osterode, Gerrit Prießnitz, verstand es überzeugend, seine Musiker durch die beiden Stücke einfühlsam und behutsam zu führen, indem er ihre Stärken herausstellte, temperamentvoll oder zart verhalten, wo dies kompositorisch angesagt war.
Zu Beginn fast wie gemütvolle Kaffeehausmusik daherkommend, entfaltete die Sinfonie unter ihm nach und nach ihre ganze Wucht an musikalischen Gedanken, wobei der volle Klang sich von den dunklen über die mittleren zu den hellen Streichern - schrill gebrochen von den Bläsern und Schlagzeugern - in einem großen Atem entfaltete, worunter die herausragende Leistung der Konzertmeisterin, Ulrike Bassenge, besonders hervorstach.
Der 4. Satz, ein Gedicht über die vermuteten Zustände in einem gedachten Jenseits aus der romantischen Gedichtsammlung "Des Knaben Wunderhorn" wurde von der tschechischen Sopranistin, Katerina Knezikova, in Anblick und Ausführung auf das Angenehmste und stimmig dargeboten. Über diese 4. Sinfonie von Mahler hat der Südtiroler Musikkritiker, Konrad Beikircher, gesagt: "Die vierte ist eine großartige Sinfonie - sehnsuchtsvoller ist die Hoffnung auf ein Paradies noch nie enttäuscht worden." Ein großer Applaus des Publikums war der Dank für einen großen Musikabend.

Harzkurier, 13. Februar 2007

 
 
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