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Mit
Schwung und Frische
Jugendsinfonie-Orchester Sachsen-Anhalt gastiert in der Osteroder Stadthalle
Das Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt gastierte am frühen Sonntagabend
in der gut gefüllten, wenn auch nicht ausverkauften Stadthalle mit Prokofjews
1. Violinkonzert D-Dur und der 4. Sinfonie von Gustav Mahler. Neben Liebhabern
des großen Orchesterklangs waren auch zahlreiche Schüler der Kreismusikschule
mit ihren Eltern erschienen, um sich einmal zeigen zu lassen, was aus
einem kleinen Musiker Großes werden kann.
Elias Schödel, der mit seinen knapp 24 Jahren schon eine erstaunliche
Solo- und Konzertmeisterkarriere hinter sich hat, erwies sich als kongenialer
Interpret bei seinem Vortrag zum 1. Violinkonzert des ewig zwischen seinem
Heimatland Russland und den westlichen Kulturmetropolen hin- und hergerissenen
Sergej Prokofjew. Wie er mit sparsamem Ausdruck bei präziser Linienführung
das klangliche Raffinessement dieses wegen seines "Mangels an geigerischer
Schreibweise" von einigen Kritikern abgelehnten Werkes zur Geltung brachte,
war die begeistert zustimmenden Pfiffe, die sich in den Applaus mischten,
allemal wert.
Uraufführung in Paris
Hatte doch Prokofjew selbst bei der Uraufführung in Paris den Werkkritikern
selbst sarkastisch entgegnet: "Den Gentlemen, denen das Violinkonzert
zu wenig konzertmäßig ist, gebe ich zur Kenntnis, dass in Paris weniger
das Konzert selbst als sein Solist gefiel..." In Osterode, über 100 Jahre
nach der Uraufführung, gefielen jetzt Solist und Werk gleichermaßen.
Mit der 4. Sinfonie in G-Dur von Gustav Mahler entfaltete das aus über
80 jungen Künstlern bestehende Jugendsinfonieorchester - eine große Kulturleistung
in sich durch seinen Gründer und unermüdlichen Förderer, Heribert Beissel
- seine ganze musikalische Ausdruckskraft und Vielfältigkeit. Der junge
Gastdirigent in Osterode, Gerrit Prießnitz, verstand es überzeugend, seine
Musiker durch die beiden Stücke einfühlsam und behutsam zu führen, indem
er ihre Stärken herausstellte, temperamentvoll oder zart verhalten, wo
dies kompositorisch angesagt war.
Zu Beginn fast wie gemütvolle Kaffeehausmusik daherkommend, entfaltete
die Sinfonie unter ihm nach und nach ihre ganze Wucht an musikalischen
Gedanken, wobei der volle Klang sich von den dunklen über die mittleren
zu den hellen Streichern - schrill gebrochen von den Bläsern und Schlagzeugern
- in einem großen Atem entfaltete, worunter die herausragende Leistung
der Konzertmeisterin, Ulrike Bassenge, besonders hervorstach.
Der 4. Satz, ein Gedicht über die vermuteten Zustände in einem gedachten
Jenseits aus der romantischen Gedichtsammlung "Des Knaben Wunderhorn"
wurde von der tschechischen Sopranistin, Katerina Knezikova, in Anblick
und Ausführung auf das Angenehmste und stimmig dargeboten. Über diese
4. Sinfonie von Mahler hat der Südtiroler Musikkritiker, Konrad Beikircher,
gesagt: "Die vierte ist eine großartige Sinfonie - sehnsuchtsvoller ist
die Hoffnung auf ein Paradies noch nie enttäuscht worden." Ein großer
Applaus des Publikums war der Dank für einen großen Musikabend.
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